Wenn man vom Eintauchen ins Verstehen kommt
LandStadt ist verstreut zu finden. Wir tragen es zusammen und fassen es in Worte. — Der Versuch einer Annäherung aus philosophischer Sicht.
Es gibt viele Dinge, die nicht sagbar sind und vielleicht gehört LandStadt zu eben diesen. Aber heute ist ein guter Tag — irgendwo kräht ein Hahn und frisches Brot gibt’s auch — wir sind frei zum Sinnieren und Fragen Bebrüten, die sich kaum jemand stellt.
Mit ein wenig Muße und der Neugier auf den Augenlidern sitzend, beugen wir uns hinunter zum Phänomen LandStadt. Wir fassen uns ein Philosophen-Herz und überlegen, wie sich LandStadt zu erkennen gibt. Das Schöne dabei ist: Es gibt weder vorgegebene Fragen noch verharzte Antworten. Aber (vielleicht ist dies eine Eigenart des Lebens) es gibt eine leise Ahnung, die uns leitet. Und diese klingt in etwa so: Im Grunde zeigt sich LandStadt in Räumen — in Räumen aller Art. Aber (wir blicken nun über unsere Lesebrille hinweg) was ist unter Raum zu verstehen? Bereits die alten Griechen kannten das Dilemma, eine Definition des Raumes zu liefern. Und Sie? Haben Sie Ideen? Das bequeme Argument Ist-doch-ganzeinfach.- Vier-Wände!-Ein-Boden!-Deckel-drauf! sei berechtigt. Aber da heute ein guter Tag ist, es Brot und Hähne gibt und wir keine anspruchslosen Pragmatiker sind, spinnen wir Gedanken weiter.
„Raum ist wesenhaft ein Zwischen.“
Die Frage nach dem Wesen des Raumes scheint in ihrer Einfachheit ungewohnt zu sein. Ihre Beantwortung ist aber gar nicht so leicht. Versuchen wir es also noch einmal: Achten wir, für eine kleine Weile nur, auf die Resonanz, die diese Frage in uns auslöst. Mit ein wenig Glück bekommen wir in diesem Moment jenes Raum-Gefühl zu fassen, das wir zu erdenken versuchen.
Sie protestieren vermutlich: Genug gefühlt! Was ist jetzt ein Raum?
Schlüpfen wir tiefer in die Rolle des Philosophen und getrauen uns mit zu kritischen Schlitzen zusammen gekniffenen Augen zu formulieren: Der Raum ist physikalischer Behälter aller Dinge, ein sichtbares Ordnungsmodell der darin vorhandenen Objekte (…) Zugegeben, das war jetzt Wikipedia. Klingt auch ganz nett, aber schmeckt dann doch wie ein Ei ohne Salz. Wir, die wir uns im Philosophieren üben, geben uns damit nicht zufrieden.
„Diese Räume sind nicht an ihren Strukturen zu beurteilen, sondern danach, was in ihnen passiert. Sozusagen sind LandStadt-Räume gelebte Räume, die sich wandeln / strecken / dehnen und immer wieder neu erfinden.“
Werden wir also spezifischer, denn das Wesentliche der Kategorie Raum, die für LandStadt so bezeichnend ist, liegt woanders begründet. LandStadt-Räume sind von biegsamer, in steter Entfaltung seiender Natur. Diese Räume sind nicht an ihren Strukturen zu beurteilen, sondern danach, was in ihnen passiert. Sozusagen sind LandStadt-Räume gelebte Räume, die sich wandeln / strecken / dehnen und immer wieder neu erfinden.
Verstehen Sie?
In den LandStadt-Räumen ereignen sich Geschichten und Gespräche, die Vorarlberg prägen. Sie eröffnen Möglichkeiten, die den Spielraum der Kreativität erweitern. Raum wird zum Lebensraum. Ein Bei-den-Dingen. Ein feiner Faden, der durch das Nadelöhr Vorarlberg huscht und alles gut zusammenhält. LandStadt ist der Stoff, aus dem Vorarlberg gestrickt ist und Raum, ja, Raum ist wesenhaft ein Zwischen.
Text: Anna-Lena Burtscher. Texterin und Fragende
Foto: Martin Schachenhofer